Prüfung von Altbeständen: Zeichnungen von Johann Heinrich Schilbach (1798-1851)

Veröffentlicht am 22. September 2026

Johann Heinrich Schilbach, Albaner See mit Rocca di Papa, undatiert, Öl auf Papier
Johann Heinrich Schilbach, Albaner See mit Rocca di Papa, undatiert, Öl auf Papier

Im Zuge der systematischen Autopsie der Zeichnungssammlung im HLMD konnten etwa 150 Werke von Johann Heinrich Schilbach (1798-1851) als Altbestand des Museums vor 1918 identifiziert werden. Der überwiegende Teil der untersuchten Zeichnungen stammt wahrscheinlich aus dem Nachlass Schilbachs, den seine erst 1890 verstorbene Witwe verwahrt hatte. Darunter treten zwei Gruppen von Zeichnungen deutlich hervor: Die erste Gruppe besitzt auf der Rückseite eine handgeschriebene Zugangsnummer, die mit „K 07“ beginnt. „K“ steht für Kupferstichkabinett, den Vorläufer der heutigen Graphischen Sammlung, „07“ für das Jahr 1907. „K 07“ wurde eine fortlaufende Nummer hinzugesetzt, wie z. B. „K 07:345“. Diese Nummerierung lässt auf ein heute nicht mehr vorhandenes, 1907 angelegtes Verzeichnis schließen. Die Zugangsbücher für diesen Sammlungsbereich sind leider erst ab 1908 erhalten.

Die zweite Gruppe ist großflächig auf ein Trägerpapier aufgeklebt, auf graugrünem Karton montiert und mit einer goldfarbenen Perlstab-Randleiste versehen. Die Rückseiten sind daher nicht einsehbar und es kann nur vermutet werden, dass auch sie eine „K 07“ Nummer tragen. Einer mündlichen Überlieferung zufolge erfolgte die Montage auf dem grünen Karton, um die Zeichnungen in der 1907 gegründeten Malschule des Museums präsentieren zu können. Stilistisch würden der im Jugendstil beliebte grüne Farbton und der neoklassizistische goldfarbene Perlstab gut in diese Zeit passen. Die Montage auf grünem Karton findet sich z. B. auch bei Werken von Carl Rottmann (1797-1850) in der Sammlung. Ursprünglich war auf jedem der grünen Kartons in der Mitte unter der Zeichnung ein Stempel des Großherzoglichen Museums angebracht. Da viele der historischen Montierungen zu einem unbekannten Zeitpunkt am unteren Rand beschnitten worden sind, fehlt bei ihnen der sich dort üblicherweise befindliche Museumsstempel. Ein Vergleich von original erhaltenen mit beschnittenen Kartons führte zu dem Schluss, dass die oben beschriebene Montierung eine Besonderheit des HLMD darstellt. Ein Verdacht NS-verfolgungsbedingten Entzug besteht daher für diese beiden Gruppen nicht. 

Bei einer dritten Gruppe von Zeichnungen konnte lediglich ein Stempel des Landesmuseums Darmstadt auf der Rückseite festgestellt werden. Dieser wurde allerdings zwischen 1919 und 1944 verwendet und gibt daher keine verlässliche Information über den Zeitpunkt der Erwerbung durch das Museum.

Dr. Udo Felbinger

Johann Heinrich Schilbach, Motiv aus der Serpentara (1824), Bleistift auf Papier, auf Karton montiert
Johann Heinrich Schilbach, Motiv aus der Serpentara (1824), Bleistift auf Papier, auf Karton montiert

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