Was ist Provenienzforschung?

Als Teilgebiet der Kunst- und Geschichtswissenschaften widmet sich die Provenienzforschung der Feststellung von Herkunft und Geschichte von Objekten unterschiedlichster Gattungen (Gemälde, Skulpturen und Zeichnungen sowie alltägliche Gebrauchsgegenständen wie Bücher, Möbel und Silber).

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zwei Mitarbeiterinnen schieben ein altes Gemälde auf welchem sich ein Innenraum einer Kirch befindet
Provenienzforschung am Museum Wiesbaden zu einem Gemälde von Fritz Beckert (1877-1962)

Die oft schwierige und spannende Arbeit soll in einer möglichst lückenlosen Rekonstruktion die Besitzer- und Eigentümerwechsel des jeweiligen Objekts, vom Ort und Zeitpunkt seiner Entstehung bis zu seinem heutigen Aufbewahrungsort klären.

In den letzten Jahren ist zunehmend die Suche nach NS-Raubkunst in den Fokus gerückt. Aber schon vor den ersten medienwirksamen Fällen (wie bspw. um Ernst Ludwig Kirchners Gemälde „Berliner Straßenszene“, 2006 oder dem „Kunstfund Gurlitt, 2012) war Provenienzforschung integraler Bestandteil der Arbeit an Museen, Bibliotheken, Archiven und am Kunstmarkt.

Sie dient neben der Identifizierung von sogenanntem Raubgut auch dem Erkenntnisgewinn zur Sammlungs- und Institutionengeschichte und dem Verständnis der Prozesse um Authentifizierung, (Wert-)Zuschreibung, Manifestation oder Aneignung dessen, was heute als Kulturgut definiert wird.

Bild mit Weltkunstbüchern aus verschiedenen Jahren und Buchfronten

Methoden

Jedes Kunstobjekt hat seine eigene Geschichte. Zur Erschließung der Biographie eines Werks kombiniert die Provenienzforschung kunsthistorische und historische Arbeitsweisen.

Erste Hinweise für die Herkunft liefert oft die physische Beschaffenheit des Objekts wie Techniken, Materialien oder Maße.

In einem weiteren Schritt erfolgt die kunsthistorische Einordnung (Zuschreibung an einzelne Künstler oder Schulen, dargestelltes Thema, Datierung). Anhand einschlägiger Literatur wird überprüft, ob das fragliche Kunstwerk bereits wissenschaftlich beschrieben ist und sich beispielweise in Ausstellungs- und Bestandskatalogen, Werkverzeichnissen oder Katalogen des Kunsthandels nachweisen lässt.

Außerdem liefern am Objekt befindliche Beschriftungen, Aufkleber, Siegel, etc. zusätzliche Hinweise und Rückschlüsse auf Vorbesitzer oder zumindest Ansatzpunkte für weitere Recherchen.

Wann und durch wen ein Objekt erworben wurde, lässt sich mithilfe historischer Quellen wie hausinterne Zugangsbücher, Inventarkarten und –verzeichnisse sowie museale Überlieferungen wie Ankaufs- und Korrespondenzakten klären.

Über die Auswertung dieser hausinternen Bestände hinaus, halten auch verschiedene Archive und Bibliotheken im In-  und Ausland unverzichtbare Quellen und Informationen bereit. Nachlässe von Künstlern, Sammlern und Kunsthistorikern aber auch z.B. Akten zu Wiedergutmachungs- oder Entschädigungsverfahren werden dazu herangezogen.

Die belegbaren Forschungsergebnisse der Eigentums- und Besitzverhältnissen sowie der Translokationen des Objekts werden in einer Provenienzkette (= Provenienzangabe) festgehalten und ergeben im Idealfall eine lückenlose Biographie.

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